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Übersicht über Tugenden, Charakter- und Signaturstärken



Einstiegsfrage: Welcher der beiden Superhelden nach James Pawelski steht Ihnen näher?

  • «Red cape»: stoppt die schlechten Dinge

  • «Green cape» (im Bild oben blau): baut das Gute auf


Eines der wichtigsten Themen der Positiven Psychologie sind positive Eigenschaften (Traits) wie z.B. Tugenden, Charakterstärken oder Talente. Positive Eigenschaften sind Eigenschaften, die für das Individuum und die Gesellschaft nützlich sind.

Wenn eine positive Eigenschaft eine Reihe von Kriterien erfüllt, wird sie Charakterstärke genannt. Ein wichtiges Kriterium ist, dass Charakterstärken auf verschiedene „Erfüllungen“ wirken, die ihrerseits das „gute Leben“ ausmachen (für andere wie für sich selbst); man kann also mit ihnen die Lebenszufriedenheit steigern. Ein weiteres Kriterium ist, dass die Stärke klar von den anderen Stärken abgrenzbar ist und auch nicht in andere überführt werden kann.

Christopher Peterson und Martin Seligman haben 2004 eine Klassifikation von 24 Charakterstärken und sechs Tugenden erarbeitet, die Values-in-Action-Klassifikation, siehe Mind Map und Tabelle weiter unten im Artikel. Diese Klassifikation bietet den Nutzen einer gemeinsamen Sprache; sie sieht eine hierarchische Ordnung vor, wonach der Charakter aus drei Ebenen besteht und sich der gute Charakter über Charakterstärken definiert:

  • Tugenden: Von Moralphilosophen und religiösen Denkern geschätzte Kerneigenschaften; in Studien von Schriften tauchen sechs davon wiederkehrend auf.

  • Charakterstärken: Mechanismen und Prozesse, die die Tugenden definieren; Wege, die Tugenden zu leben (z.B. Weisheit und Wissen definiert und erreicht über Neugierde, Liebe zum Lernen, Kreativität, Urteilsvermögen, etc.).

  • Situative Themen: Spezifische Gewohnheiten, die dazu führen, dass Personen in speziellen Situationen die Stärken anwenden.


Übersicht Tugenden und Charakterstärken


Die 24 Charakterstärken

Kreativität, Einfallsreichtum und Originalität

Neue und effektive Wege finden, Dinge zu tun.

Neugier und Interesse

Interesse an der Umwelt haben.

Urteilsvermögen und Aufgeschlossenheit

Dinge durchdenken und von allen Seiten betrachten.

Liebe zum Lernen

Neue Fertigkeiten und Wissen aneignen.

Weitsicht und Tiefsinn

Guten Rat geben können.

Tapferkeit und Mut

Sich Schwierigkeiten oder Schmerz nicht beugen.

Ausdauer, Beharrlichkeit und Fleiss

Begonnenes zu Ende führen.

Authentizität, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Integrität

Die Wahrheit sagen und sich natürlich geben.

Enthusiasmus und Tatendrang

Der Welt mit Begeisterung und Energie begegnen.

Bindungsfähigkeit und Fähigkeit zu lieben

Menschliche Nähe herstellen und schätzen können.

Freundlichkeit, Grosszügigkeit, Fürsorge und Altruismus

Anderen Gefallen oder Gutes tun.

Soziale Intelligenz bzw. soziale Kompetenz

Sich der Motive und Gefühle von sich selbst und anderen bewusst sein.

Teamwork, Zugehörigkeit und Loyalität

Gut als Mitglied eines Teams arbeiten.

Fairness, Gleichheit und Gerechtigkeit

Alle Menschen nach den Prinzipien von Fairness und Gerechtigkeit behandeln.

Führungsvermögen

Gruppenaktivitäten organisieren und ermöglichen.

Vergebungsbereitschaft, Verzeihung und Gnade

Jenen vergeben, die Unrecht getan haben.

Bescheidenheit und Demut

Die eigenen Leistungen für sich sprechen lassen.

Vorsicht, Klugheit und Diskretion

Keine unangemessenen Risiken eingehen.

Selbstregulation, Selbstkontrolle und -disziplin

Verhalten und Gefühle regulieren.

Sinn für das Schöne und Exzellenz

Schönheit in allen Lebensbereichen schätzen.

Dankbarkeit

Sich der guten Dinge, die einem geschehen, bewusst sein und sie zu schätzen wissen.

Hoffnung, Optimismus und Zuversicht

Das Beste erwarten und daran arbeiten, es zu erreichen.

Humor und Verspieltheit

Lachen und Humor zeigen und schätzen.

Spiritualität, Religiosität und Glaube

Überzeugungen über einen höheren Sinn des Lebens haben.

Die Charakterstärken gelten als das „Herzstück“ der Values-in-Action- (VIA) Classification of Strengths (siehe www.charakterstaerken.org) und sind zentral für das Aufblühen (Flourishing) von Menschen. Charakterstärken können auch langfristig mit Veränderungen im Wohlbefinden einhergehen; grössten Einfluss haben dabei die Charakterstärken Hoffnung, Enthusiasmus, Neugier, Bindungsfähigkeit und Dankbarkeit.


Charakterstärken, die besonders typisch für eine Person sind und gerne und häufig eingesetzt werden, werden Signaturstärken genannt. Es gibt einige Kriterien für Signaturstärken wie z.B. ein Gefühl des Besitzes und der Authentizität gegenüber der Stärke („das bin wirklich ich“), ein Gefühl der Aufgeregtheit während der Ausübung der Signaturstärke oder ein Gefühl der Unvermeidlichkeit des Gebrauchs der Stärke. Peterson und Seligman nehmen wie andere an, dass jeder Mensch zwischen drei und sieben Signaturstärken besitzt. Sie sind für die Praxis besonders wichtig, weil es sich um individuell besonders bedeutsame Stärken handelt, die eine Aufwärtsspirale bewirken können.


Kennen Sie Ihre Signaturstärken schon? Wenn nicht, empfehle ich Ihnen den Charakterstärken-Test auszufüllen. Sehr gerne unterstütze ich Sie bei der Interpretation der Ergebnisse.


Herzlich, Oli



Quellen:


Gander, F., Hofmann, J., Proyer, R.T., & Ruch, W. (2019). Character Strengths – Stability, Change, and Relationships with Well-Being Changes. Applied Research in Quality of Life. Advance online publication. doi:10.1007/s11482-018-9690-4

Niemiec, R. M. (2. Auflage, 2018). Character Strengths Interventions. A field guide for practitioners. Boston, USA: Hogrefe.

Park, N., Peterson, C., & Seligman, M.E.P. (2004). Strengths of character and well-being. Journal of Social and Clinical Psychology, 23, 603-619. doi:10.1521/jscp.23.5.603.50748

Pawelski, J. O. (2016). Defining the ‘positive’ in positive psychology: Part II. A normative analysis. The Journal of Positive Psychology, 11, 357–365. https://doi.org/10.1080/17439760.2015.1137628

Peterson, C. (2004). Character Strengths and Virtues. Oxford, England: Oxford University Press.

Ruch, W., & Gander, F. (2018). Positive Psychologie. In C.-W. Kohlmann, C. Salewski, & M. A. Wirtz (Hrsg.), Psychologie in der Gesundheitsförderung (S. 227-239). Bern, Schweiz: Hogrefe.

Ruch, W., & Proyer, R. T. (2011). Positive Psychologie: Grundlagen, Forschungsthemen und Anwendungen, Report Psychologie, 36, 60-70. doi:10.5167/uzh-45837

Seligman, M. (2012). Flourish – Wie Menschen aufblühen. Die positive Psychologie des gelingenden Lebens. München, Deutschland: Kösel-Verlag.


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